Lasst euch nicht terrorisieren

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Terror-Generalverdacht im Alltag?

Autor: 
Stephan A. Rickauer

Das Thema ‹Terror› und dessen Gefahren sind heute allgegenwärtig und in aller Munde. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht irgendeine Nachrichtensendung, ein Radioprogramm oder eine Website von aufregenden ‹Neuigkeiten› in bezug auf Terror bzw. Terrorismus zu berichten vermag. Spezialsendungen, Liveschaltungen, Augenzeugen-Interviews, Hintergrundberichte: Noch nie waren wir Bürger so gut und zeitnah informiert wie heute – zumindest suggeriert uns das die neue, bunte Medienwelt.

Das hat auch seine Schattenseiten: Medien sind starke Beeinflusser unserer Meinung geworden. Sie verändern unser Verhalten, indem sie uns glauben machen, über ein Fakt, einen Tatbestand oder eine Situation neutral informiert zu sein. Nur selten merken wir, wie subtil gewisse Formulierungen und Darstellungen gewählt sind und wie diskret begonnen wird, damit unser Denken, Fühlen und Handeln zu steuern.
Vor allem Themen, die nicht in ein klares Schwarz-Weiss- oder Gut-Böse-Muster einzuordnen sind und eine wesentlich differenziertere Auseinandersetzung verdienen, geraten dabei häufig zu kurz, sei es aus Mangel an Platz, Sendezeit oder Fachverstand.

Es ist interessant zu beobachten, wie uns die ‹allgegenwärtige Terrorgefahr› längst steuert, die uns Politik und Medien spätestens seit dem 11. September 2001 gebetsmühlenartig vermitteln – und zwar ohne dass es uns bewusst würde. Ein Selbstversuch: Stellen Sie für die Sperrmüllsammlung einen alten Blechwecker zusammen mit ­einem ausgedienten Koffer und ein paar bunten Kabeln auf die Strasse. Sie haben gute Chancen, in ihrer Nachbarschaft Panik auszulösen. So erging es zumindest einem deutschen Staatsbürger im Ruhrgebiet, der von Behördenseite ermahnt wurde, beim Sperrmüll darauf zu achten, dass alle Behältnisse geöffnet sind, damit «beim Anblick verschlossener Koffer oder Reisetaschen kein flaues Gefühl entsteht». Ferner solle er davon Abstand nehmen, kaputte Wecker oder elektrische Geräte «derart vor die Tür zu stellen, dass ein falscher Eindruck entstehen könnte» (siehe: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/26/26051/1.html).

Hier beginnt der Teufelskreis: Der einzelne Bürger wird durch Ratschläge wie diese dazu angestiftet, sich immer mehr in ein paranoides Denken hineinzusteigern, um nicht selbst mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten oder eine Panik zu verursachen, ohne dass er das überhaupt beabsichtigt.